Auswilderung von Riesenottern: Der Zoo Duisburg ist beteiligt

Seit 2017 laufen die Vorbereitungen für die einzigartige Naturschutzaktion – jetzt werden Riesenotter in Argentinien ausgewildert. Dabei spielen Zoologische Gärten eine entscheidende Rolle.

Es ist ein Meilenstein für den Artenschutz und der Höhepunkt eines ambitionierten Naturschutzprojektes: Die Auswilderung von Riesenottern in Argentinien, die am 30. Juni 2025 begonnen hat. Die ersten vier Tiere haben die Vorbereitungsanlagen verlassen und streifen nun durch die Flussgebiete. Weitere sollen im besten Fall im Jahresverlauf folgen. An dem Projekt sind zahlreiche Institutionen und Organisationen beteiligt: Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm für Riesenotter (EEP), mehrere Zoologische Gärten, der Europäische Zooverband EAZA und das Projekt Rewilding Argentina sowie weitere Beteiligte. Dabei legte Alondra, ein in Duisburg geborener Riesenotter, einen der Grundsteine. Sie ist der erste zoogeborene Riesenotter, der jemals für ein Auswilderungsprojekt bereitgestellt worden ist. Auch ihre in Südamerika geborenen Jungtiere sind für die Auswilderung vorgesehen. Mit dem Projekt schreiben alle Beteiligten Naturschutzgeschichte.

Im Nationalpark Iberá wird Naturschutzgeschichte geschrieben

Fernab der Zivilisation und tief im Nationalpark befinden sich derzeit fünf Vorbereitungsgehege. Direkt am Fluss gelegen sind die Anlagen der Lebensraum für Riesenotter und dienen als Startpunkt für die Auswilderungen. Das Besondere: Neun Riesenotter dieses ambitionierten Wiederansiedlungsprojekts sind zoogeboren. Sie stammen aus europäischen und amerikanischen Zoologischen Gärten und haben vor Ort in Argentinien mittlerweile 11 Jungtiere aufgezogen. In Gruppen sollen die Tiere ausgewildert werden. Dabei hat die erste Auswilderung von zoogeborenen Elterntieren mit ihrem vor Ort in Argentinien geborenen Nachwuchs vor wenigen Tagen stattgefunden. „An dieser Naturschutzgeschichte haben Zoologische Gärten aktiv und maßgeblich mitgeschrieben. Darauf sind alle Projektbeteiligten stolz, denn es zeigt einmal mehr, wozu die Zoogemeinschaft fähig ist. Gemeinsam retten wir Arten und schützen Lebensräume“, betont Oliver Mojecki, Zoologischer Leiter in Duisburg. 

Riesenotter Alondra: Von Duisburg nach Argentinien

Unter den für das Auswilderungsprojekt vorgesehenen Riesenottern sind auch Nachkommen von Alondra – ein Otterweibchen, das im Jahr 2011 im Zoo Duisburg geboren worden ist und ihre Wurzeln somit im Ruhrgebiet hat. „Sie war der erste zoogeborene Riesenotter, der sich im Jahr 2019 auf den Weg nach Argentinien machte“, erklärt Biologe Mojecki. Die Empfehlung für den Transfer sprach seinerzeit das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) mit Sitz im Zoo Schwerin aus. Vor Ort in Südamerika führten die Mitarbeitenden des Artenschutzprojektes Rewilding Argentina die gebürtige Duisburgerin bereits vor Jahren mit ihrem ebenfalls zoogeborenen Partner zusammen. Das Paar sorgte für Nachwuchs und zog drei Jungtiere erfolgreich auf. Es war der erste Otter-Nachwuchs im Nord-Osten Argentiniens seit Jahrzehnten. Auch diese Jungtiere sollen im Laufe dieses Jahres in Argentinien ausgewildert werden.

Zoo Duisburg betont: „Artenschutz ist ein Marathon, kein Sprint“

Im Laufe der Jahre sind neun Riesenotter aus den europäischen und amerikanischen Zoos nach Argentinien gebracht worden, um Teil des Auswilderungsprojektes zu werden. Voraussetzung hierfür waren Wissen und Erfahrung im Umgang mit den Tieren sowie umfangreiche Schutzmaßnahmen vor Ort, zu denen auch der Aufbau des Nationalparks gehörte. Diese Maßnahmen unterstützt der Zoo Duisburg mit seinen zweckgebundenen Artenschutzgeldern – dem „Artenschutz Euro“. Oliver Mojecki vom Zoo Duisburg erklärt: „Für Naturschutzmaßnahmen braucht man immer Geduld, finanzielle Mittel und auch Zeit, bis sie ihre Kraft entfalten. Deswegen ist Artenschutz auch ein Marathon und kein Sprint. Es sind viele Hürden zu nehmen, bis Tierarten wieder ausgewildert werden können. Wir als Zoogemeinschaft haben das notwendige Wissen und tragen mit unseren Tieren aktiv dazu bei“.

Das Projekt Iberá ist Partner des Erhaltungszuchtprogrammes für Riesenotter

Partner des Projektes ist das Europäische Erhaltungszucht Programm (EEP) für Riesenotter mit Sitz im Zoo Schwerin – die Schnittstelle des argentinischen Naturschutzprojektes zu verschiedenen Zoologischen Gärten, die Riesenotter halten. Durch diese Zusammenarbeit konnten zoogeborene Riesenotter für die Ansiedlung bereitgestellt werden. Ihr neuer Lebensraum ist der Gran Parque Iberá, welcher in der Provinz Corrientes im Nordosten Argentiniens liegt und den Provinzpark Iberá (600.000 Hektar) sowie den 2018 geschaffenen Nationalpark Iberá (158.000 Hektar) umfasst. Letzterer entstand durch Landspenden von Tompkins Conservation und Rewilding Argentina an den argentinischen Staat. Die Feuchtgebiete liegen im Zentrum einer großen subtropischen Ebene, umgeben vom atlantischen Paraná-Wald, dem Chaco-Wald, offenen Grasländern und Dornbuschsavannen. Dort führt Rewilding Argentina die Wiederansiedlung von zehn einheimischen Arten durch – darunter der Jaguar als wichtigster terrestrischer Räuber und der Grünflügelara, der als Samenverbreiter für die heute stark dezimierte native Vegetation wirkt. Darüber hinaus ergänzt Rewilding Argentina seine Arbeit mit dem Aufbau einer regenerativen Wirtschaft auf Grundlage des Wildtiertourismus – der sich in Iberá zu einer Hauptquelle für Einkommen der Gemeinden rund um den Park entwickelt hat und international als Vorbild für naturschutzbasierte Entwicklung gilt. 

Brasilianische Riesenotter: Die Wölfe der Flüsse

Riesenotter gehören zur Familie der Marder und sind die größten Otter der Welt.

Die tagaktiven Raubtiere erreichen eine Länge von bis zu 1,80 Meter, ein Gewicht von über 20 Kilogramm und leben in Familiengruppen. Deswegen werden sie im Spanischen auch „Lobos de río“ – Wölfe der Flüsse – genannt. Auf ihrem Speiseplan stehen insbesondere Fische, Muscheln und Krebstiere.

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Ein Riesenotter trägt ein Geschirr mit einem Sender auf dem Rücken.